Software-Sanierungen sind teuer und die Kosten können nach der Erstellung des Maßnahmen-Plans relativ genau abgeschätzt werden. Anders sieht es bei den Opportunitätskosten aus. Sind die Software-Entwickler größtenteils mit der Fehlerbehebung beschäftigt, haben sie weniger Zeit für die Umsetzung von neuen Features und die Anpassung des Quellcodes an die neuen Gegebenheiten (zu dem Zeitpunkt einfache Refactoring-Maßnahmen). Die dadurch entstehenden Opportunitätskosten werden nicht erfasst, da „von oben“ sowieso vorgegeben wird, dass neue Features entwickelt und alle Fehler behoben werden müssen.  Es spielt somit keine Rolle, welche Kosten anfallen, da sowieso alles erledigt werden „muss“.

Um die Kosten für die Software-Sanierung rechtfertigen zu können, müssen Sie die anfallenden Opportunitätskosten ermitteln und den Kosten für die Sanierung gegenüberstellen. Zu berücksichtigen sind:

  • die Kosten für die initiale Software-Sanierung (Maßnahmen-Plan erstellen, Grundlage für die weiteren, laufenden Refactorin-Maßnahmen schaffen etc.)
  • die laufenden Kosten für zukünftige Refactoring-Maßnahmen
  • die oben genannten Opportunitätskosten, die durch die hohe Fehlerquote und den dadurch geringeren „Feature-Durchsatz“ sowie die geringere Kundenzufriedenheit entstehen

Kosten ermitteln

Falls Sie eine Zeiterfassung auf Ticket-Ebene durchführen, haben Sie die Möglichkeit zu prüfen, welcher Anteil der täglichen Arbeitszeit für das Beheben von Fehlern und für das Entwickeln neuer Features anfällt. Mithilfe dieser Quote können Sie in etwa die anfallenden Kosten für Fehlerkorrekturen ermitteln.

Die Kosten für die Software-Sanierung können Sie erst im Detail ermitteln, wenn Ihnen der entworfene Maßnahmenplan vorliegt. Sie müssen also vorerst die ersten Schritte im Sanierungs-Vorhaben gehen, um diese Zahl zu ermitteln.

Kosten gegenüberstellen

Nachdem Sie die Software-Sanierung sowie die permanent anfallenden Opportunitätskosten ermittelt haben, können Sie diese gegenüberstellen. Dabei ist die folgende Gleichung anzustreben:

(Initiale Kosten für die Software-Sanierung + laufende Kosten für Refactoring-Maßnahmen für den Zeitraum x) < Laufende Opportunitätskosten für den Zeitraum x

Durch die laufenden Kosten muss bei dieser Gegenüberstellung immer ein Betrachtungszeitraum (z.B. 3 Jahre) angegeben werden. Alternativ können diese Gleichungen auch gleichgesetzt werden, um den Amortisationszeitraum der Software-Sanierung zu ermitteln.

Beispiel-Berechnung

Wir nehmen für die Beispiel-Berechnung die folgenden Zahlen an, die vorweg ermittelt wurden:

Initiale Kosten für die Software-Sanierung: 80.000€

Laufende Kosten für Refactoring-Maßnahmen pro Jahr: 10.000€

Laufende Opportunitätskosten pro Jahr: 35.000€

Gesucht: Amortisationszeitraum in Jahre

x = 80.000€ / (35.000€ – 10.000€)

x = 3,2 Jahre

Es würde somit ca. 3 Jahre und 2 Monate dauern, bis sich die Investition in die Software-Sanierung amortisiert hat. Diese Berechnung berücksichtigt jedoch lediglich die monetären Werte. Die qualitative Kennzahl „Kundenzufriedenheit durch stabilere Software“ wurde nicht berücksichtigt. Ebenfalls wurde aus Gründen der Einfachheit davon ausgegangen, dass die Opportunitätskosten durch die Software-Sanierung auf 0€ reduziert werden können. Da jedoch Software-Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden können, werden die Opportunitätskosten vermutlich nicht auf 0€ reduziert werden können.

Fazit

Die oben angegebene Berechnung hilft Ihnen jedoch dabei, Ihr Projekt zu quantifizieren. Sie müssen lediglich die Opportunitätskosten und die Kosten für die Software-Sanierung ermitteln und gegenüberstellen. Dadurch wird Ihr Projekt betriebswirtschaftlich belegbar, sodass auch die Führungsetage den Nutzen erkennen und einordnen kann. Somit steht der Budget-Freigabe (vorausgesetzt, die Mittel sind verfügbar) nichts mehr im Wege.

Wie gehen Sie bei der Quantifizierung solch‘ nachhaltiger und langfristiger Projekte um? Haben Sie bereits Erfahrung in dem Bereich gemacht? Schreiben Sie es gerne in die Kommentare, um dieses Wissen auch anderen Besuchern zugänglich zu machen. Vielen Dank!

Kategorien: Aktuelle Themen

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